Borysthenes – Landschaft und Trauma: Die ukrainische Wunde

Unser erstes Projekt bricht mit der Unterscheidung von Fiktion und Dokumentation:

Eine Schiffsreise auf dem Dnieper im Jahr 2003. Einige Personen finden sich zu einer kleinen Reisegesellschaft zusammen, erleben und kommentieren den Verlauf der Kreuzfahrt mit ihren touristischen Höhepunkten, bauen kurzlebige Beziehungen auf und vertrauen der Journalistin Melanie ihre Lebensgeschichten an, ohne zu ahnen, dass sie einer soziologischen Feldforschung Material liefern: Wie stellt sich der 2. Weltkrieg in der Erinnerung deutscher Familien dar, deren Großväter mit der Wehrmacht nach Russland gezogen sind? Erbarmungslos erinnert Melanie sich und  ihre Mitreisenden daran,  dass in dieser bukolischen Landschaft lange vor Auschwitz der Holocaust begann – als Massenerschießung vieler Tausender Zivilisten durch SS-Kommandos unter den Augen der Wehrmacht, manchmal sogar mit ihrer Hilfe. Diese historischen  Kapitel sind eingeschoben in einen fortlaufenden Reisebericht, in dem auch geliebt, gestritten und Schach gespielt wird…

Der Roman ist insofern ein Experiment, als er sich über die Trennung von Sachbuch und Fiktion hinwegsetzt. Was sich im Dokumentarfilm längst durchgesetzt hat: Die Geschichtserzählung  mit erfundener Handlung, ist in der zeitgenössischen deutschen Literaturszene umstritten. Dabei hat das Genre eine lange Tradition: Grimmelshausens „Simplicius Simplicissimus“ schildert die Greueltaten im 30-jährigen Krieg, Franz Werfels „Die 40 Tage des Musa Dagh“ den Völkermord an den Armeniern… Den Vorwurf, die unterhaltsame Form drücke Respektlosigkeit gegenüber den Opfern  aus, haben nach Spielbergs Film „Schindlers Liste“ Dutzende von KZ-Filmen widerlegt. Die größte Respektlosigkeit wäre, die Opfer in Vergessenheit geraten zu lassen. Wie leicht das geschieht, zeigt der vergnügliche Verlauf dieser Reise.

Mehr auf meiner Seite
> Borysthenes – Landschaft und Trauma: Die ukrainische Wunde.
Roman von Sybil Wagener
Als Ebook, bei > libri (© 2011)
Druckausgabe bei > Amazon (© Juni 2012)

Buchcover

Übersetzung ins Englische von Helen Henderson:
Dnieper – Dream and Nightmare: The Ukrainian Wound.

> Druckausgabe, bei amazon
(© Oktober 2012)

> Kindle-Ebook, bei Amazon
(© Oktober 2012)

Eine Drehbuchfassung
ist in Arbeit.